Dass Statements von Mediensprechern nicht immer ganz „standardkonform“ ausfallen, ist eher selten, schliesslich ist man (meist) um das Image der Firma besorgt. Stephen McNamara, Head of Communications der irischen Billig-Fluggesellschaft Ryanair, muss gestern aber wohl einen ganz schlechten Tag erwischt haben, als er sich zu folgender Aussage hinreissen liess:
It is Ryanair policy not to waste time and energy corresponding with idiot bloggers and Ryanair can confirm that it won’t be happening again.
Lunatic bloggers can have the blog sphere all to themselves as our people are far too busy driving down the cost of air travel.
Das Statement ist die Reaktion auf einen Blogbeitrag von Jason Roe, wo suggeriert wurde, dass er einen Bug auf Ryanairs Website gefunden habe und man so Gratisflüge buchen könne. In Tat und Wahrheit zeigte das System einen Endbetrag von 0,00 an, weil Jason die Session neu startete und so die Variablen verloren gingen. Das Abschliessen der Buchung war aber nicht möglich. Jason fügte wenig später dann auch ein Statement hinzu, worin er bestätigte, dass so keine Gratis-Buchungen möglich sind.

In den Kommentaren zum Beitrag fanden sich dann auch schnell Ryanair-Angestellte, die Jason als Lügner und Idioten bezeichneten, mit ihren Aussagen allerdings auch nicht ganz unrecht haben. Das Online-Portal Travolution fragte daraufhin bei Ryanair selbst nach und erhielt, neben der Bestätigung, dass es sich bei den Kommentatoren tatsächlich um Ryanair-Angestellte handelt, die oben erwähnte Antwort.
Aus Kommunikationssicht ist es sicher grenzwertig, mit Begriffen wie „verrückt“ und „Idioten“ um sich zu werfen. Andererseits kann ich die Reaktion auch ein bisschen verstehen. Ich fordere zwar auch schon lange, dass sich die Unternehmenskommunikation auch um Blogger zu kümmern hat, aber wenn solche offensichtlich falsche Behauptungen aufgestellt werden ohne das Prozedere durchzuspielen (hier: das Ticket ausgedruckt), können dem einen oder anderen schon mal die Nerven durchgehen…
Der Grossverteiler Migros verkaufte offenbar zwischen Januar und August 2006 Fälschungen des Eau de Toilette Davidoff Cool Water und schrieb darüber auch klein und versteckt im Migros Magazin. Für mich Grund genug, einmal bei der Migros nachzufragen und folgende Fragen zu stellen:
- Wie konnte es geschehen, dass die Migros Fälschungen verkauft
- Ist es denkbar, dass noch weitere Fälschungen (auch in anderen Sortimentsrayons) auftauchen bzw. verkauft werden?
- Was tut die Migros, um den Verkauf von Fälschungen in Zukunft zu verhindern?
Aber offenbar will man sich gar nicht wirklich öffentlich dazu äussern. Zumindest interpretiere ich die Antwort von Migros-Mediensprecherin Monika Weibel in etwa so:
Tut uns leid, aber wir äussern uns nicht zu Anfragen von privaten Web Sites.
Wie heisst es so schön auf der Medienseite der Migros?
„Allseits und überall unbehindert Zutritt dem Licht der Öffentlichkeit“ – These Nr. 6 von Gottlieb und Adele Duttweiler, 1950
Vor diesem Hintergrund ist der Migros eine offene, ehrliche und transparente Kommunikation sowohl Auftrag wie Bedürfnis. Als Grundlage für Ihre Arbeit finden Sie als Medienschaffende hier alle Informationen rund um die Migros.
Sooo offen ist diese Art der Kommunikation nun doch wieder nicht. Zumindest scheint man bei der Migros anderen Firmen wie der Swisscom, Sunrise, Gillette und vielen anderen in Sachen Kommunikation hoffnungslos hinterherzuhinken. Das passt doch wunderbar zum aktuellen Artikel „Blick in die USA: Blogger an Pressekonferenzen“ von Marcel Bernet.