Malware-Banner beim «Blick»

tastaturisiert am Dienstag, 8. Januar 2008 um 11:05:28 Uhr

Die Schweizer Tageszeitung «Blick» hat über ihren Online-Auftritt während mindestens einem Tag schädliche Flash-Werbebanner ausgeliefert. Dies berichtet Sandi Hardmeier, Microsoft-“Most Valuable Professional” und Sicherheitsspezialistin in ihrem Blog “Spyware Sucks“. Der «Blick» befindet sich dabei in guter Gesellschaft, denn das Banner wurde auch via MySpace und Excite verbreitet.

Screenshot blick.ch mit Malware-BannerAd

Gemäss Trend Micro wurde über die Werbebanner versucht, Trojanische Pferde wie RBot, SDBot und Spybot auf dem Computer des Nutzers zu installieren. Zudem wollten die schädlichen Werbebanner dem Anwender

eine nutzlose Software namens PerformanceOptimizer unterjubeln, die Fehlalarme über entdeckte Schädlinge produziert und die vermeintlichen Funde erst nach einer Zahlung der Registrierungsgebühr entfernt.

Als Laie im Online-Werbebusiness ist das für mich einigermassen erstaunlich, denn bisher bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass Werbeaufträge entsprechend kontrolliert werden. Zumindest muss ein Mitarbeiter von Media-Connect, einer Tochter der PubliGroupe, via deren Domain “ch.p-digital-server.com” die Werbebanner ausgeliefert wurden, doch zumindest einmal zu Testzwecken auf das Banner geklickt haben.

Ebenso erstaunlich finde ich auch, dass auf blick.ch bisher keine Stellungnahme zum Vorfall zu finden ist. Offenbar hält man es dort nicht für nötig, die Leser über die mögliche Infektion ihres Computers mit einem Trojaner zu informieren und ggf. Tipps zur Entfernung der Malware zu geben.

Bisher haben sich auf meine Anfrage weder der Blick, noch Ringier oder die Publigroupe zum Vorfall geäussert. Sollten noch entsprechende Stellungnahmen eintreffen, werde ich diese selbstverständlich hier im Rahmen eines Updates veröffentlichen.

Weitere Beiträge zum Thema:

Hintergründe zum Malware-Banner beim «Blick»
Malware-Banner: Liederliche Checks?

[Update 1] 11:56 Uhr
Die Stellungnahme der Publigroupe kommt direkt vom Mailserver:

Your message

To: BRANDENBERGER Jean-Marc (PubliGroupe SA)
Subject: Medienanfrage: Auslieferung von Malware-Banner via Media Connect
Sent: Tue, 8 Jan 2008 10:34:34 +0100

was deleted without being read on Tue, 8 Jan 2008 11:48:57 +0100

OK, das ist auch eine Antwort…

[Update 2] 16:54 Uhr
In der Zwischenzeit ist auch die Antwort von Marco Castellaneta, Konzernsprecher der Ringier AG, eingetroffen. Zur Frage, wie es überhaupt passieren konnte, dass ein solches Werbemittel geschaltet wurde, äussert er sich wie folgt:

Jeder Auftrag wird von Blick.ch im Detail geprüft und sowohl die Firma (kommerziell) als auch die angelieferten Werbemittel (technisch und inhaltlich) einem Check unterzogen. Im vorliegenden Fall wurde der Auftrag speziell geprüft. Auch die Werbemittel werden bei jeder Kampagne vor der Aufschaltung durch uns geprüft, während der Laufzeit werden jeweils Stichproben gemacht. Solche Werbebanner können jedoch durch den Auftraggeber auf seinem Server jederzeit temporär und ohne unser Wissen auf eine andere Zieladresse umgeleitet werden. Solche Aktionen sind leider durch uns nicht abzuwenden.

Insgesamt sei das Banner während fünf Tagen online gewesen und sofort nach Kenntnis der “Umleitung” abgeschaltet worden. Keine Stellungnahme konnte Castellaneta jedoch zur Frage abgeben, wieviel Mal das Malware-Banner gezeigt bzw. angeklickt wurde.

Als Konsequenz aus dem Vorfall will Ringier neben der bereits vorhandenen Kontrolle auf kommerzieller, technischer und inhaltlicher Ebene auch die Einführung einer Blacklist mit Auftraggebern prüfen,

welche nicht sauber arbeiten, und diese Liste auch mit den Betreibern von anderen Online Plattformen auszutauschen.

(Screenshot: Sandi Hardmeier)

von BloggingTom, abgelegt unter Internet



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