{"id":2965,"date":"2011-11-19T13:32:56","date_gmt":"2011-11-19T12:32:56","guid":{"rendered":"http:\/\/bloggingtom.ch\/?p=2965"},"modified":"2011-11-19T13:47:38","modified_gmt":"2011-11-19T12:47:38","slug":"lasst-spotify-die-musiker-verarmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bloggingtom.ch\/blog\/archives\/2011\/11\/19\/lasst-spotify-die-musiker-verarmen\/","title":{"rendered":"L\u00e4sst Spotify die Musiker verarmen?"},"content":{"rendered":"<p>Immer und (fast) \u00fcberall Musik h\u00f6ren, das ist das Versprechen des schwedischen Musikstreamingdienst Spotify, der <a href=\"http:\/\/bloggingtom.ch\/archives\/2011\/11\/16\/spotify-ab-heute-in-der-schweiz\/\">diese Woche auch in der Schweiz gestartet<\/a> ist. Gegen eine geringe Geb\u00fchr (oder Werbeeinblendungen) erh\u00e4lt der Nutzer Zugriff auf einen Musikpool von rund 15 Millionen Songs. Doch ist das, was f\u00fcr den Musikfan ein Schlaraffenland ist, auch f\u00fcr die Musiker gut? Die kritischen Stimmen gegen\u00fcber Streamingdiensten \u00e0 la Spotify mehren sich. Der Grund daf\u00fcr, wen wunderts, d\u00fcrfte in den sinkenden Einnahmen liegen.<\/p>\n<p>Auch wenn die Aussch\u00fcttungen an Musiker und Komponisten ein gutbeh\u00fctetes Geheimnis der Musikbranche sind, d\u00fcrfte klar sein, dass bei einem Streamingmodell weit weniger Geld in die Kassen der K\u00fcnstler, als das zum Beispiel bei einem Download aus iTunes oder dem Kauf einer CD der Fall ist, gesp\u00fclt wird. Kein Wunder, denn selbst mit dem teuersten Abo erh\u00e4lt Spotify nur Fr. 12.95 pro Monat f\u00fcr unlimitiertes Musikh\u00f6ren von einem Abonnenten. Davon muss der Musikdienst neben seiner Technik (IT-Infrastruktur, Internetanbindung im Rechenzentrum etc.) auch die L\u00f6hne seiner Mitarbeiter und vieles mehr bezahlen. Offensichtlich, dass am Ende f\u00fcr den K\u00fcnstler viel weniger pro gespieltem Song herausschaut, als das bei einer CD oder dem iTunes-Download der Fall w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>Einnahmen sinken dramatisch<\/strong><br \/>\nSehr gut veranschaulicht wird das mit der Grafik &#8222;<a href=\"http:\/\/www.informationisbeautiful.net\/2010\/how-much-do-music-artists-earn-online\" target=\"_blank\">How Much Do Music Artists Earn Online<\/a>&#8222;, die sich zwar auf den britischen Markt und die <a href=\"http:\/\/thecynicalmusician.com\/2010\/01\/the-paradise-that-should-have-been\/\" target=\"_blank\">hier ver\u00f6ffentlichten Zahlen<\/a> bezieht, deren Zahlen hierzulande nicht gross anders sein d\u00fcrften. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/bloggingtom.ch\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/20111119-online-earnings.gif\" alt=\"\" title=\"How Much Do Music Artists Earn Online?\" width=\"465\" height=\"686\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2975\" srcset=\"https:\/\/bloggingtom.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/20111119-online-earnings.gif 465w, https:\/\/bloggingtom.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/20111119-online-earnings-203x300.gif 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 465px) 100vw, 465px\" \/><br \/>\n<center><small>(Grafik-Ausschnitt von <a href=\"http:\/\/www.informationisbeautiful.net\/2010\/how-much-do-music-artists-earn-online\" target=\"_blank\">David McCandless&#8216; Selling Out \/ Information is beautiful<\/a>)<\/small><\/center><\/p>\n<p>Gem\u00e4ss der Grafik erh\u00e4lt ein K\u00fcnstler pro abgespieltem Song in Spotify gerade mal 0,00029 Dollar und seine Musik m\u00fcsste 4&#8217;053&#8217;110 Mal pro Monat gespielt werden, damit Einnahmen von 1&#8217;160 Dollar resultieren. Im Vergleich mit einer CD (Einnahme pro CD 30 US-Cent, 3871 Verk\u00e4ufe f\u00fcr 1&#8217;160 Dollar Einnahmen) wahrlich eine l\u00e4cherliche Summe.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAlison Bonny, Mediensprecherin von Spotify, will die Zahlen der Grafik auf Anfrage zwar nicht kommentieren, legt aber Wert darauf, dass Spotify keine Streams, sondern den Zugang zu Musik verkaufe. Zudem stamme die Grafik beziehungsweise der Artikel vom April 2010, und seitdem habe sich sehr viel ge\u00e4ndert in der Musikindustrie, so Bonny. Und weiter:<\/p>\n<blockquote><p>My main point I would like to make is that &#8222;Revenue per stream&#8220; is a totally irrelevant metric when considering the value generated by Spotify. A focus on revenue per stream totally misses the point. The relevant metrics are: 1) how many people are being monetized by Spotify; 2) who these people are (usually young people previously on pirate services which generate nothing for artists and rightsholders); and 3) how much revenue per user Spotify generates for rightsholders.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Musik ist &#8222;beinahe wertlos&#8220;<\/strong><br \/>\nHingegen h\u00e4lt Frank Lenggenhager, Chef der Berner Promotionagentur <a href=\"http:\/\/www.lautstark.ch\/\" target=\"_blank\">Lautstark<\/a>, den &#8222;revenue per Stream&#8220; im Musikgeschn\u00e4ft f\u00fcr nicht so irrelevant, wie ihn Bonny darstellt. Im Gegenteil: &#8222;Urheberrechtsgeb\u00fchren werden ja letztlich auch per &#8218;Stream&#8216; bzw. &#8218;play&#8216; abgerechnet&#8220;, sagt Lenggenhager auf Anfrage. &#8222;Letztlich ist klar: Musik als Konsumgut ist in den letzten 20 Jahren massiv g\u00fcnstiger (Kritiker sagen &#8218;beinahe wertlos&#8216;) geworden. Das war schon beim Schritt vom physischen Tontr\u00e4ger zum Download so und hat sich jetzt beim Schritt hin zum Stream nochmals versch\u00e4rft.&#8220;<\/p>\n<p>Auch das Argument von Spotify, dass man seit dem Start im Oktober 2008 mehr als 100 Millionen Euro an die Rechteinhaber abgeliefert habe, zieht f\u00fcr Lenggenhager nicht. Im Gegenteil: <\/p>\n<blockquote><p>Mit anderen Worten: Das sind ca 92&#8217;000$ pro Tag, die Spotify an die Urheber aussch\u00fcttet. Grob gerechnet d\u00fcrfte die kleine Schweizer Musikindustrie mit ihren CD- und Download-Verk\u00e4ufen derzeit vermutlich mehr Geld an die Urheber aussch\u00fctten als der Global Player Spotify weltweit.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>750&#8217;000 Streams f\u00fcr gerade mal 3&#8217;376 Dollar<\/strong><br \/>\nIn Grossbritannien hat diese Woche der Musikdistributor STHoldings beschlossen, die Musik aller 238 durch die Firma vertriebenen Labels von Streamingdiensten <a href=\"http:\/\/www.stholdings.co.uk\/2011\/11\/16\/removal-of-content-from-spotify-simfy-rdio-napster\/\" target=\"_blank\"> zur\u00fcckzuziehen<\/a>. Die Begr\u00fcndung <a href=\"http:\/\/www.hypebot.com\/hypebot\/2011\/11\/distributor-pulls-234-labels-from-spotify-napster-rdio-after-itunes-payments-drop-24.html\" target=\"_blank\">l\u00e4sst aufhorchen<\/a>: Im dritten Quartal \u2013 dem ersten Quartal, in dem die Firma ihre Inhalte Musikstreamingdiensten zur Verf\u00fcgung stellte \u2013 seien die Einnahmen aus iTunes-Verk\u00e4ufen um 24 Prozent gefallen, w\u00e4hrend Spotify, Simfy, Rdio und Napster neu zwar f\u00fcr 82 Prozent der konsumierten Musik verantwortlich sind, aber nur 2,6 Prozent zum Quartalsumsatz beigetragen haben. Insgesamt habe man f\u00fcr 750&#8217;000 Streams im Quartal von Spotify gerade mal 3&#8217;376 US-Dollar (\u00a3 2&#8217;500) erhalten. Century, eines der wichtigsten Metal-Labels weltweit, <a href=\"http:\/\/www.centurymedia.com\/newsdetailed.aspx?IdNews=10180&#038;IdCompany=3\" target=\"_blank\">st\u00f6sst ins gleiche Horn<\/a> und begr\u00fcndete den R\u00fcckzug seines Portfolios von Spotify ebenfalls mit den geringen Einnahmen.<\/p>\n<p><strong>Auch Schweizer K\u00fcnstler bleiben Spotify fern<\/strong><br \/>\nAuch in der Schweiz w\u00e4chst der Widerstand gegen Spotify und Co. Songs von K\u00fcnstlern wie Polo Hofer, Z\u00fcri West oder Stiller Has sucht man beispielsweise auf den Streaming-Plattformen vergebens. Den Grund daf\u00fcr liefert Polo Hofer <a href=\"http:\/\/www.polohofer.ch\/index.php?section=news&#038;cmd=details&#038;newsid=90\" target=\"_blank\">in einem Statement auf seiner Homepage<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Mit einer billigen, werbefinanzierten &#8222;all you can eat&#8220;-Strategie l\u00e4sst sich vielleicht kurzfristig Geld in die Kassen der Industrie und IT-Anbieter sp\u00fclen, die Musik als k\u00fcnstlerisches Werk wird dabei jedoch massiv abgewertet. Gleichzeitig fliesst nahezu nichts von diesen Einnahmen an die K\u00fcnstler. <\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quo vadis Musikstreaming?<\/strong><br \/>\nDie Recherchen, die ich in den letzten Tagen zum Thema gemacht habe, haben mich aufhorchen lassen. Die Grundidee, gegen eine pauschale Geb\u00fchr Zugriff auf eine unglaublich grosse Musikpalette zu haben, ist einfach bestechend. Und so gab es in den letzten zehn Tagen, seit ich Spotify nutze, wohl keinen Tag, an dem ich mich nicht mit gestreamter Musik berieseln liess. Zu gross war die Versuchung, nach Musik aus meiner Jugend, nach Songs mit Erinnerungen zu suchen oder einfach neues zu entdecken. Etwas, was mit dem Download von Songs oder Alben ja so nicht m\u00f6glich ist (und auch ziemlich teuer w\u00fcrde).<\/p>\n<p>Und doch stellt sich mir die Frage: Sind Streamingdienste \u00e0 la Spotify, zumindest mit ihrem jetzigen Gesch\u00e4ftsmodell, die Zukunft? Bequem, g\u00fcnstig und eine riesige Auswahl ist zwar ein Argument. Aber woher kommt der musikalische Nachschub, wenn die K\u00fcnstler ihren Lebensunterhalt wegen der niedrigen Abgaben nicht mehr bestreiten k\u00f6nnen? Und was ist die Alternative zum jetzigen Gesch\u00e4ftsmodell der Anbieter? Fragen \u00fcber Fragen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer und (fast) \u00fcberall Musik h\u00f6ren, das ist das Versprechen des schwedischen Musikstreamingdienst Spotify, der diese Woche auch in der Schweiz gestartet ist. 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